Spanien ringt nach Zugdrama
Nach dem schweren Zugunglück bei Toledo mit mindestens 69 Toten laufen in Spanien Identifizierung und Ursachenforschung. Veröffentlichte Leitstellen-Protokolle deuten auf folgenschwere Fehlentscheidungen nach einem Systemausfall hin.

Foto: RelShot 263 , Echando una mano ; earlier version was Pedro A. Gracia Fajardo, escudo de Manual de Imagen Institucional d / Wikimedia Commons, Public domain
Nach dem schweren Zugunglück bei Urda nahe Toledo steht Spanien weiter unter Schock. Bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge am Mittwochmorgen kamen nach bisherigen Angaben mindestens 69 Menschen ums Leben. Mehrere Waggons entgleisten und stürzten eine etwa zehn Meter tiefe Böschung hinab. Während die Aufräumarbeiten andauern, suchen Angehörige noch immer nach Vermissten.
In Toledo arbeiten inzwischen 25 Forensiker daran, die Toten zu identifizieren. Dabei kommen teils auch DNA-Proben von Familienangehörigen zum Einsatz. Wie schwer die Wucht des Aufpralls war, zeigt sich auch daran, dass mehrere Wagen komplett zerstört wurden. König Felipe und Königin Letizia besuchten die Uniklinik in Toledo, wo viele Schwerverletzte behandelt werden, und sprachen dem medizinischen Personal sowie den Betroffenen ihr Mitgefühl aus.
Neue Protokolle werfen Fragen auf
Im Zentrum der Aufarbeitung stehen inzwischen veröffentlichte Gesprächsprotokolle der Leitstelle mit den Lokführern. Sie legen nahe, dass nach dem Ausfall des automatischen Leitsystems die Weiterfahrt in normalem Tempo freigegeben wurde. Laut den Protokollen wäre in einem solchen Fall jedoch nur eine deutlich niedrigere Geschwindigkeit erlaubt gewesen. Auch über einen noch auf der Strecke stehenden Zug, der Probleme beim Anfahren hatte, soll nicht korrekt informiert worden sein.
- Kollision auf der Strecke Madrid–Sevilla
- mindestens 69 Tote
- Leitstellen-Protokolle deuten auf Fehlentscheidungen hin
Suche nach Verantwortung läuft
Als wahrscheinliche Ursache gilt derzeit eine Kette menschlicher Fehlentscheidungen. Spaniens Verkehrsminister Oscar Puente sprach von nicht nachvollziehbaren Entscheidungen. Die Eisenbahngewerkschaften warnen allerdings vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Aus ihrer Sicht müssten Fehler immer auch im Zusammenhang mit Abläufen, Organisation und Belastung im System betrachtet werden. Klar ist schon jetzt: Das Unglück hat nicht nur tiefe Trauer ausgelöst, sondern auch eine Debatte über Sicherheit auf Spaniens stark frequentierter Hochgeschwindigkeitsstrecke entfacht.
Quelle: Tagesschau