EU und Kanada rücken zusammen
Die EU und Kanada haben bei ihrem Gipfel in Montreal eine „Allianz für die Zukunft“ gegründet. Das Bündnis soll Zusammenarbeit und wirtschaftliche Sicherheit stärken – von KI und Raumfahrt bis zu Handel, Energie und Verteidigung.

Foto: Wikimedia Commons / Grunpfnul, CC BY-SA 4.0
Die EU und Kanada haben beim Gipfel in Montreal ihre Partnerschaft deutlich ausgebaut. Unter dem Namen „Allianz für die Zukunft“ soll ein engerer gemeinsamer Raum für Wohlstand und wirtschaftliche Sicherheit entstehen. Hintergrund sind angespannte Beziehungen zu den USA und China sowie der Wunsch, bei wichtigen Zukunftsthemen unabhängiger zu werden.
Mehr Zusammenarbeit bei KI, Raumfahrt und Handel
Das neue Bündnis umfasst eine ganze Reihe strategischer Bereiche. Lieferketten sollen robuster werden, wirtschaftliche Risiken sinken. Außerdem wollen beide Seiten ihre Zusammenarbeit bei Sicherheit und Verteidigung, Energie, Bildung, Handel, Raumfahrt und Künstlicher Intelligenz vertiefen.
- Die Europäische Investitionsbank soll künftig die Förderung seltener Erden in Kanada ermöglichen.
- Ein gemeinsames Digitalabkommen soll den Online-Handel erleichtern, auch für kleinere Unternehmen.
- Kanadische Forschende erhalten Zugang zu zwölf Hochleistungs-Computern in der EU.
- Kanada will sich am Austauschprogramm Erasmus und am europäischen Satellitensystem Galileo beteiligen.
Kanadas Premierminister Mark Carney sprach von einem Schritt hin zu einer widerstandsfähigeren Welt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wertete das Treffen als Beginn eines neuen Abschnitts in den Beziehungen. EU-Ratspräsident António Costa bezeichnete Kanada als das europäischste Land außerhalb Europas.
Streit um den Status
Nicht ganz reibungslos lief die Debatte über eine mögliche besondere Anbindung Kanadas an die EU. Carney hatte angestrebt, Kanada solle als „assoziiertes Mitglied“ gelten. Dieser Begriff schaffte es aber nicht in die Abschlusserklärung. Vor allem Friedrich Merz stellte sich dagegen. Von der Leyen betonte dennoch, dass ein möglichst enges Verhältnis das Ziel bleibe. Bis Juni soll die Frage des künftigen Status geklärt werden.
Über dem Gipfel lag damit auch geopolitischer Druck: US-Präsident Donald Trump hatte eine engere Annäherung Kanadas an die EU scharf kritisiert und mit einem Abbruch der Handelsbeziehungen gedroht. In Montreal setzten beide Seiten trotzdem auf das Signal, dass zwei Mittelmächte enger zusammenrücken wollen – nicht gegen andere, sondern zur Stärkung der eigenen Interessen.
Quelle: Tagesschau