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Politik28. Oktober 2026, 15:02 Uhr · von Redaktion

Charles unter Druck in der Karibik

König Charles III. reist neun Tage durch die Karibik und besucht die Bahamas, Guyana sowie Antigua und Barbuda. Dort wird der Commonwealth-Gipfel von Forderungen nach Entschuldigung und Wiedergutmachung für die Sklaverei überschattet.

Charles unter Druck in der Karibik

Foto: Alvoradaking / Wikimedia Commons, CC0

König Charles III. ist auf einer heiklen Reise durch die Karibik unterwegs. Innerhalb von neun Tagen besucht der britische Monarch die Bahamas, Guyana sowie Antigua und Barbuda. Offiziell soll der Trip die enge Verbindung Grossbritanniens zur Region unterstreichen. Gleichzeitig holt Charles dort aber die koloniale Vergangenheit seines Landes ein.

Proteste gegen den Royal-Besuch

In mehreren Karibikstaaten gibt es seit Jahren Forderungen an London, die eigene Rolle im transatlantischen Sklavenhandel endlich umfassend aufzuarbeiten. Verlangt werden dabei nicht nur warme Worte, sondern konkrete Schritte. Zum Auftakt auf den Bahamas sprach Charles zwar von Leid und Ungerechtigkeit in der Vergangenheit, eine formelle Entschuldigung sprach er jedoch nicht aus. In der Nähe des Termins demonstrierte eine kleine Gruppe mit Plakaten, auf denen sinngemäss gefordert wurde, Grossbritannien solle seine Schulden begleichen.

  • Gefordert werden Reparationen
  • eine offizielle Entschuldigung
  • die Rückgabe von Kulturgütern

Die britische Regierung lehnt Reparationszahlungen bislang ab. Auch aus dem Palast heisst es, Entschuldigungen und Wiedergutmachung seien Sache der Regierungen. Damit bleibt das Thema politisch brisant – gerade in einer Region, in der die Spuren der britischen Kolonialherrschaft bis heute präsent sind.

Commonwealth-Gipfel als heikle Bühne

Besonders sensibel ist die letzte Station der Reise: In Antigua und Barbuda nimmt Charles am Gipfel des Commonwealth teil, dem Zusammenschluss von 56 unabhängigen Staaten, von denen viele einst zum britischen Empire gehörten. Dort soll auch über das koloniale Erbe gesprochen werden. Auf den Bahamas sowie in Antigua und Barbuda ist Charles noch Staatsoberhaupt, Guyana ist dagegen seit 1970 eine Republik. In den beiden Inselstaaten Bahamas und Antigua und Barbuda gibt es zudem Bestrebungen, die Monarchie abzuschaffen.

Politikwissenschaftler Bert Hoffmann vom deutschen Giga-Institut sieht in der Reise ein Signal: Grossbritannien wolle zeigen, dass die Region für London weiter wichtig ist. Gerade weil die USA für viele Länder dort näher und oft bedeutender sind, könne ein solcher Besuch viel Aufmerksamkeit erzeugen. Doch genau diese Aufmerksamkeit macht auch die Konflikte sichtbar, die Charles auf seiner Karibikreise begleiten.

Quelle: SRF