JETZT LIVE
Politik28. Oktober 2026, 07:02 Uhr · von Redaktion

AKW nur mit Turbo-Start

Eine neue TA-Swiss-Studie sieht mögliche Vorteile neuer Atomkraftwerke für die Schweiz – aber nur, wenn rasch entschieden wird. Von der Planung bis zur Inbetriebnahme wäre laut Studie mit mindestens 20 Jahren zu rechnen.

AKW nur mit Turbo-Start

Foto: Department of Scientific and Industrial Research / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Die Debatte über neue Atomkraftwerke in der Schweiz bekommt neuen Stoff: Eine umfangreiche Studie von TA-Swiss kommt zum Schluss, dass neue Kernkraftwerke dem Land grundsätzlich nützen könnten – etwa um auch in Zukunft viel Strom im Inland zu erzeugen. Klar ist aber auch: Gebaut würde nur dann, wenn sich dafür überhaupt eine politische und gesellschaftliche Mehrheit findet.

Besonders wichtig ist laut der Untersuchung der Faktor Zeit. Peter Burgherr, Projektleiter der Studie, verweist darauf, dass von der Planung bis zur Inbetriebnahme eines neuen AKW mit mindestens 20 Jahren gerechnet werden müsse. Würde die Schweiz erst ab 2050 oder noch später neu bauen, könnten andere Technologien bereits so weit sein, dass der Nutzen eines zusätzlichen Atomkraftwerks deutlich kleiner ausfällt.

Erneuerbare bleiben Pflichtprogramm

Die Studie macht zugleich deutlich: Selbst wenn irgendwann ein neues AKW ans Netz gehen sollte, führt kein Weg am Ausbau von Wind-, Solar- und Wasserkraft vorbei. Dazu kommen Speicherlösungen und mehr Flexibilität im Stromsystem. Genau darin sieht die Untersuchung einen zentralen Punkt – die Energiewende muss ohnehin weiterlaufen.

  • Neue AKW könnten die inländische Stromproduktion stützen
  • Der Bau wäre teuer und langwierig
  • Erneuerbare Energien müssten trotzdem weiter ausgebaut werden

Weniger Stromimporte, neue Abhängigkeiten

Ein weiterer Befund: Ein neues Kernkraftwerk könnte zwar helfen, den Import von Strom zu senken. Gleichzeitig würden sich Abhängigkeiten nur verlagern. Denn Brennstoff müsste weiterhin im Ausland beschafft werden, auch die Aufbereitung abgebrannter Brennstäbe würde dort stattfinden. Die Studienautoren betonen allerdings, dass solche Ausland-Abhängigkeiten nicht nur bei der Kernenergie vorkommen.

Auf 551 Seiten zeigt die TA-Swiss-Analyse außerdem, wie kompliziert der Weg zu einem neuen AKW wäre. Offene Fragen gibt es viele – vom passenden Reaktortyp über mögliche gesetzliche Grundlagen bis hin zur Finanzierung in Milliardenhöhe. Die Botschaft der Studie ist damit zweigeteilt: Neue Atomkraft ist nicht ausgeschlossen, aber sie wäre teuer, politisch heikel und nur dann sinnvoll, wenn die Schweiz sehr bald die Weichen stellt.

Quelle: SRF