Hacker drehen Kühlung auf
Nach Angriffen in Frankreich sind nun auch deutsche Supermärkte betroffen: Cyberkriminelle manipulierten Kühlanlagen teils aus der Ferne. Experten sehen grobe Sicherheitslücken bei Händlern und Herstellern.

Foto: Pierre Blaché from Paris, France / Wikimedia Commons, CC0
Nach den Störungen in Frankreich sind jetzt auch deutsche Supermärkte Ziel von Angriffen auf ihre Kühltechnik geworden. Der Vorwurf von Fachleuten ist deutlich: Die Systeme seien teils so ans Netz gebracht worden, dass Angreifer ohne große Hürden darauf zugreifen konnten. Damit rückt ein Bereich in den Fokus, der im Alltag meist unsichtbar bleibt – für die Versorgung aber enorm wichtig ist.
Steuerung teils offen im Netz
Nach Angaben aus dem Bericht lassen sich Kühltruhen einzelner oder mehrerer Märkte zentral per Software einstellen. Problematisch dabei: Diese Steuerungen standen offenbar ohne ausreichende Absicherung im Internet. Der Informatiker Manuel Atug von der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen spricht von unkontrolliert erreichbaren Systemen, die sich dann auch manipulieren lassen.
- Kühlanlagen können zentral gesteuert werden
- Einige Systeme waren offenbar direkt aus dem Internet erreichbar
- Experten sehen Versäumnisse bei Händlern und Herstellern
Besonders brisant ist das Thema, weil Teile des Handels als Kritische Infrastruktur gelten. Laut Bericht betrifft das Handelsketten, wenn sie mindestens 500.000 Menschen versorgen. Aber auch darunter können Unternehmen als wichtige oder besonders wichtige Einrichtungen unter Cybersicherheitsvorgaben fallen.
Experten warnen vor größeren Lücken
Die Frankfurter Cybersicherheitsprofessorin Haya Schulmann verweist darauf, dass der Blick auf kritische Bereiche oft zu eng sei. Nicht nur Strom, Finanzen oder Gesundheit seien relevant, sondern auch Lieferketten und Dienstleister, von denen Versorgung und Infrastruktur abhängen. Wenn dort Schwachstellen bestehen, können Angriffe weitreichende Folgen haben.
Wie groß die Defizite laut Forschenden sind, zeigt auch eine Studie des Nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit: Demnach erfüllen nicht einmal Bundesministerien die nötigen Standards. Genannt werden veraltete Geräte, bekannte offene Sicherheitslücken und fehlende Vorgaben für Dienstleister. Der aktuelle Fall in den Supermärkten ist damit mehr als eine Technikpanne – er ist ein Warnsignal für den Umgang mit vernetzter Infrastruktur.
Quelle: Tagesschau