Europa hängt noch an Moskau
Europa hat seine Gasimporte aus Russland seit Beginn des Ukraine-Kriegs stark gesenkt. Doch bei Öl und vor allem Uran bleibt die EU laut aktuellen Daten in Teilen weiter von Moskau abhängig.

Europa wollte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine möglichst schnell von Energie aus Russland loskommen. In Teilen ist das gelungen: Vor allem bei Gas ist die Abhängigkeit laut Experten deutlich gesunken. Nach Angaben des Brüsseler Thinktanks Bruegel hat die EU ihre Gaseinfuhren aus Russland seit Beginn der Großinvasion um drei Viertel reduziert.
Beim Gas geht es voran
Für die kommenden Monate sind weitere Einschnitte geplant. Ab Beginn des nächsten Jahres soll der Import von russischem LNG komplett verboten sein, ab Herbst dann auch Pipeline-Gas. Trotzdem ist die Entkoppelung nicht abgeschlossen. Nach Daten des finnischen Forschungsinstituts CREA haben die 27 EU-Staaten seit Kriegsbeginn rund 238 Milliarden Euro für russische Kohle, Öl und Gas ausgegeben.
Besonders umstritten bleibt die Lage beim Öl. Ein angekündigter Plan der EU-Kommission für den Ausstieg aus russischem Öl liegt bislang nicht vor. Gleichzeitig gibt es weiter Länder, die auf Lieferungen aus Russland angewiesen sind. Ungarn und die Slowakei beziehen Öl weiter über die Druschba-Pipeline. EU-weit ist der Anteil russischen Öls zwar klar gesunken, ganz gelöst ist das Problem aber nicht.
Uran bleibt heikles Thema
Zusätzlichen Streit löst auch der Kurs aus Washington aus. Die US-Regierung hatte zunächst einen Dieseldeal mit Russland geschlossen, später setzte Präsident Donald Trump Sanktionen gegen das Putin-Regime kurz vor deren Inkrafttreten aus. Im Europaparlament ist die Linie dagegen deutlich: Die Abhängigkeit von einem kriegführenden Staat soll so schnell wie möglich enden.
Weniger im Fokus, aber besonders brisant ist die Lage bei der Kernenergie. Laut Euratom bleibt die Menge des aus Russland eingeführten Urans seit Jahren nahezu unverändert. Der Staatskonzern Rosatom hat sein Geschäft in der EU sogar ausgeweitet. Hinzu kommt: In fünf EU-Ländern stehen Reaktoren russischer Bauart, und in Lingen in Niedersachsen sollen dafür bald Brennelemente in einem französisch-russischen Joint Venture produziert werden.
- Gasimporte aus Russland: seit Kriegsbeginn um drei Viertel gesunken
- Russisches LNG: Verbot ab kommendem Jahresbeginn
- Pipeline-Gas aus Russland: Verbot ab Herbst
- Uran aus Russland: laut Euratom seit Jahren fast unverändert
Quelle: Tagesschau