JETZT LIVE
Politik27. Oktober 2026, 15:02 Uhr · von Redaktion

Ärger um Polizei in Frankreich

Nach Massenprotesten in Frankreich gibt es heftige Vorwürfe gegen die Polizei. Videos aus Nancy zeigen, wie rechte Gruppen auf Demonstrierende losgehen und sich anschließend hinter Einsatzkräften zurückziehen.

Ärger um Polizei in Frankreich

Foto: Pierre Blaché from Paris, France / Wikimedia Commons, CC0

Nach den landesweiten Demonstrationen in Frankreich ist eine neue Debatte entbrannt: Rechtsextreme Gruppen sollen bei mehreren Aufmärschen gewaltsam aufgetreten sein – nun steht die Frage im Raum, ob die Polizei dabei zu nachsichtig war. Innenminister Laurent Nuñez weist das entschieden zurück. Gegenüber BFMTV sagte er, die Einsatzkräfte hätten die rechten Gruppen weder geschützt noch mit ihnen zusammengearbeitet.

Videos aus Nancy sorgen für Zweifel

Auslöser der Kritik sind unter anderem Aufnahmen aus Nancy. Darauf ist laut Berichten zu sehen, wie Rechtsextreme zunächst linke, ebenfalls gewaltbereite Demonstrierende angreifen. Danach ziehen sie sich hinter eine Polizeikette zurück. Später sollen sich einige von ihnen bei einem Vorstoß der Bereitschaftspolizei sogar den Beamten angeschlossen haben, um erneut gegen Demonstrierende vorzugehen.

Auffällig war außerdem, dass Mitglieder rechter Gruppen auf Videos aus mehreren Städten mit weißen Armbinden zu sehen sind. Nach Recherchen von "Libération" gab es entsprechende Aufmärsche unter anderem in Nizza, Montpellier, Lille, Nantes, Rennes, Dijon, Bordeaux, Bayonne, Tours, Rouen, Toulouse, Caen, Clermont-Ferrand, Lyon und Brest.

Mehr als 400.000 Menschen auf der Straße

Nach Angaben des Innenministeriums beteiligten sich am Samstag 410.000 Menschen an den Protesten im ganzen Land. Gleichzeitig sei es in vielen Städten zu Ausschreitungen gekommen. Nuñez macht dafür vor allem die "radikale extreme Linke" verantwortlich. Die Störungen hätten einem bekannten Muster entsprochen: Gruppen hätten sich von den Demonstrationszügen gelöst und Sicherheitskräfte angegriffen.

  • 1314 Festnahmen laut vorläufiger Bilanz
  • 75 Fälle von Brandstiftung
  • 53 verletzte Einsatzkräfte
  • 24 geplünderte Geschäfte

Besonders scharf fiel die Kritik aus dem linken Lager aus. Der Koordinator der Linkspartei, Manuel Bompard, warf den Behörden vor, in Nizza seien Demonstrationen verboten worden – ausgenommen seien ausgerechnet Faschisten gewesen, die bewaffnet durch die Stadt gezogen seien. Wie viele Demonstrierende verletzt wurden, teilten die Behörden bislang nicht mit.

Quelle: SRF