Spaniens Verkehrsminister geht
Nach zwei schweren Zugunglücken in weniger als einem Jahr tritt Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente zurück. Die Regierung in Madrid beschloss zudem neue Sicherheitsmaßnahmen und 30 Millionen Euro Hilfe für Betroffene.

Foto: Wikimedia Commons / Ayuntamiento de Valladolid, CC BY-SA 3.0
Nach dem zweiten schweren Zugunglück binnen weniger Monate zieht Spanien personelle Konsequenzen: Verkehrsminister Óscar Puente hat seinen Rücktritt angekündigt. In einer Anhörung im Kongress erklärte er, nach zwei schweren Unfällen innerhalb eines Jahres könne ein Verkehrsminister in Spanien nicht einfach im Amt bleiben. Nach eigenen Angaben informierte er Ministerpräsident Pedro Sánchez erst kurz zuvor über seine Entscheidung. Auch bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November will Puente nicht mehr antreten.
Zwei Unglücke, viele Fragen
Der Rücktritt kommt nur sechs Tage nach dem verheerenden Zusammenstoß nahe Urda südlich von Madrid. Dort waren zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert, als ein Zug der staatlichen Renfe auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auffuhr. 69 Menschen kamen ums Leben. Bereits im Januar hatte ein weiteres schweres Zugunglück in Adamuz in Andalusien 46 Todesopfer gefordert.
Im Parlament wurde Puentes Schritt parteiübergreifend teils anerkennend aufgenommen. Kritik kam dagegen von der konservativen Volkspartei PP, die die Verantwortung weiter bei Regierungschef Sánchez sieht. Puente war erst Ende 2023 als Verkehrsminister vereidigt worden.
Regierung beschließt Sofortmaßnahmen
Parallel zum Rücktritt hat die Regierung ein Paket zur Verbesserung der Bahnsicherheit auf den Weg gebracht. Im Fokus stehen vor allem das Zugsicherungssystem und die Arbeit in den Kontrollzentren. Zu den beschlossenen Punkten gehören:
- eine Reduzierung der Züge zwischen Madrid und Sevilla, bis das europäische Sicherungssystem ERTMS dort im Einsatz ist,
- eine zusätzliche Kontrolle im Leitstand, falls das bisherige LZB-System ausfällt,
- mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen in den Kontrollzentren.
Außerdem wurden 30 Millionen Euro als Hilfspaket für Opfer und Angehörige des jüngsten Unglücks gebilligt. Dazu kommen Preisobergrenzen für alternative Verkehrsmittel, solange die betroffene Strecke gesperrt ist. Die Ermittlungen zu dem Unfall bei Urda konzentrieren sich derzeit auf den Ausfall des LZB-Systems und mögliche Fehler im Kontrollzentrum des Netzbetreibers Adif.
Quelle: Tagesschau