Schwingen ringt mit dem Geld
Im Schweizer Schwingsport wächst der Kommerz spürbar. Mit neuen Sponsoren, Millionen aus Werbung und ersten Profis stellt sich die Frage, wie viel Tradition der Amateursport noch bewahren kann.

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Der Schweizer Schwingsport steht vor einer heiklen Phase: Einerseits wächst das Geld im System, andererseits gerät damit ein zentrales Selbstbild ins Wanken. Spätestens seit bekannt ist, dass McDonald’s ab 2028 beim ESAF als Königspartner einsteigt, wird die Debatte lauter. Dazu kommt, dass Top-Schwinger wie Samuel Giger inzwischen vom Sport leben können – etwas, das in vielen anderen Disziplinen selbstverständlich wäre, im Schwingen aber an den Grundfesten des Amateurgedankens rührt.
Tradition gegen Profi-Alltag
Besonders sensibel ist die Frage der Volksnähe. Zum klassischen Bild des Schwingers gehört der bodenständige «Büezer», der tagsüber auf dem Bau, im Lastwagen oder auf dem Hof arbeitet und nebenbei trainiert. Wenn an der Spitze nun vermehrt Athleten mit Sponsoren, mehr Freizeit und professionellem Umfeld auftreten, droht genau dieses Symbol zu verblassen. Sichtbar ist der Wandel auf dem Platz zwar kaum – das Wettkampf-Tenue bleibt werbefrei –, im Hintergrund verändert sich der Sport aber deutlich.
Noch grösser ist für viele die Sorge um die Fairness. Wer komplett vom Schwingen leben kann, hat mehr Zeit für Training und Regeneration als ein Konkurrent mit regulärem Job. Beide stehen trotzdem im selben Wettkampfsystem. Beim Eidgenössischen Schwingverband versucht man, die Entwicklung einzuordnen: Voll auf den Sport setzende Athleten habe es schon länger gegeben. Gigers offenes Bekenntnis zum Profistatus mache nun vor allem sichtbar, was sich an der Spitze bereits seit Jahren anbahnt.
Millionen im System
Finanziell hat der Schwingsport in den vergangenen zwei Jahrzehnten kräftig zugelegt. Das Fernsehen gab dem Boom zusätzlichen Schub, als 2004 erstmals ein komplettes Eidgenössisches an beiden Tagen live übertragen wurde. Danach stieg das Interesse der Sponsoren spürbar an.
- Seit 2011 dürfen Schwinger eigene Werbepartner haben.
- Die Sponsoringeinnahmen stiegen von 1,3 Millionen Franken 2013 auf mehr als 3,6 Millionen Franken 2025.
- Das ESAF nahm 2001 noch 7,5 Millionen Franken ein, 2010 bereits 21,1 Millionen.
Ganz ohne Gegenwert bleibt das zusätzliche Geld nicht. Mehr Professionalität hebt das sportliche Niveau, weil Training und Erholung gezielter möglich werden. Zudem fliesst laut Reglement zehn Prozent der Werbehonorare aktiver Schwinger an den Verband für die Nachwuchsförderung. Auch Ex-Schwingerkönig Matthias Sempach bewertet die Entwicklung unter dem Strich positiv. Damit bleibt der Schwingsport an einem Scheideweg: Zwischen Tradition und Kommerz ist die Richtung noch nicht endgültig entschieden – der Wandel aber längst im Gang.
Quelle: SRF