JETZT LIVE
Promis23. Oktober 2026, 09:01 Uhr · von Redaktion

Schmidt stichelt gegen Steuerflucht

Harald Schmidt spricht im SRF-Interview über deutsche Auswanderer in die Schweiz, den Reiz von Schlagzeilen und den Umgang mit dem Etikett „alter weisser Mann“. Der 69-Jährige gibt sich dabei betont unerschrocken.

Schmidt stichelt gegen Steuerflucht

Foto: Wikimedia Commons / Dimitri b., CC BY 3.0

Harald Schmidt bleibt auch mit 69 Jahren bestens in Übung, wenn es um zugespitzte Pointen geht. Im Gespräch mit SRF sprach die TV-Legende über Deutschland, die Schweiz und die Mechanik der Medien – und lieferte gleich mehrere markige Sätze. Besonders auffällig: Seine Einschätzung, warum so viele Deutsche in die Schweiz ziehen. Für viele sei dabei vor allem der steuerliche Vorteil ausschlaggebend.

Schmidt, der mit der „Harald Schmidt Show“ das Late-Night-Prinzip nach US-Vorbild in Deutschland populär machte, erklärte, die Schweiz sei für ihn vor allem als Tourist interessant. Den oft als höflich und zurückhaltend beschriebenen Umgangston der Schweiz findet er angenehm. Für einen Satiriker biete jedoch Deutschland das ergiebigere Material: Die täglichen Aufreger und Krisenmeldungen seien für Humoristen besonders dankbar.

Zwischen Metaebene und Massenklick

Dass seine Auftritte immer wieder wissenschaftlich gedeutet werden, nimmt Schmidt mit trockenem Humor. Er selbst sagt, den Begriff der „Metaebene“ habe er zunächst sogar nachschlagen müssen. Wichtiger sei ihm ohnehin, dass überhaupt über ihn geschrieben werde – idealerweise auch in Bereichen, in denen man ihn gar nicht erwartet.

Gleichzeitig zeigt Schmidt ein feines Gespür für die Logik digitaler Aufmerksamkeit. Dass selbst banale Themen große Reichweite erzielen, überrascht ihn nicht. Im Gegenteil: Genau solche vermeintlich weichen Stoffe würden auf vielen Nachrichtenseiten besonders gut funktionieren.

  • Deutschland liefert ihm die besseren satirischen Vorlagen
  • Die Schweiz schätzt er wegen ihres Tons und als Reiseziel
  • Beim Thema Cancel Culture gibt er sich demonstrativ gelassen

„Dirty Harry“ statt Everybody’s Darling

Auch auf Debatten über frühere Fernsehauftritte blickt Schmidt ohne Reue zurück. Dinge im Nachhinein zu korrigieren oder sich zu entschuldigen, lehnt er ab. Beim Etikett des „alten weissen Mannes“ setzt er auf Gegenoffensive: Dagegen komme man ohnehin nicht an, also könne man es auch demonstrativ tragen. Anders als manche Kollegen sieht er sich nicht als potenzielles Cancel-Opfer. Sein ironisch formulierter Schutzmechanismus: keine „Leiche im Keller“ haben – und schlicht seine Steuern zahlen.

Besorgt wirkt Schmidt dabei kein bisschen. Im Gegenteil: Er bezeichnet sich faktisch als unaufgeregt und lässt erkennen, dass er viele gesellschaftliche Zuspitzungen vor allem als Produkt der Medien- und Talkshow-Welt betrachtet. Zeitungen liest er nach eigener Aussage oft nur noch dann genauer, wenn er die Autorinnen oder Autoren kennt.

Quelle: SRF