Massenprotest vor Wahl in Belgrad
Drei Tage vor der Parlamentswahl in Serbien sind in Belgrad Zehntausende Anhänger der Opposition auf die Straße gegangen. Zur Abschlusskundgebung der Studentenliste sollen rund 150.000 Menschen gekommen sein.

Foto: Rama / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 fr
Kurz vor der Parlamentswahl in Serbien hat die Opposition noch einmal ein deutliches Zeichen gesetzt: In Belgrad gingen Zehntausende Menschen auf die Straße, um gegen das politische Lager von Aleksandar Vučić zu demonstrieren. Nach einem Zug durch die Innenstadt endete die Abschlusskundgebung der oppositionellen Studentenliste auf dem Slavija-Platz. Berichten zufolge waren dort etwa 150.000 Teilnehmer versammelt.
Studentenbewegung will Machtwechsel
Die Liste mit dem Namen „Studentenliste – Studenten siegen“ wird von Studierenden getragen. Ihr erklärtes Ziel ist es, bei der Wahl am Sonntag die seit mehr als 14 Jahren regierende Serbische Fortschrittspartei SNS abzulösen. Die Proteste richten sich damit klar gegen das politische System, das Vučić und seine Partei über Jahre geprägt haben.
Der Urnengang findet nach vorgezogenen Neuwahlen statt. Vučić war Ende September, rund ein halbes Jahr vor dem regulären Ende seiner Amtszeit, als Präsident zurückgetreten. Nun bewirbt er sich um das Amt des Regierungschefs, das er schon vor seiner Präsidentschaft innehatte. Mit dem Rücktritt machte er den Weg für die Neuwahl frei – und erfüllte zugleich eine zentrale Forderung der studentischen Bewegung.
Aus Trauer wurde politische Wut
Entstanden war die Protestbewegung nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024. Bei dem Unglück kamen 16 Menschen ums Leben. Zunächst forderten die Demonstrierenden vor allem Aufklärung zu der Katastrophe. Später weitete sich der Protest aus und wurde zu einem breiteren Aufstand gegen die Regierung und gegen Korruption im Land.
- Wahltermin: Sonntag
- Ort der Großkundgebung: Belgrad, Slavija-Platz
- Auslöser der Bewegung: Unglück in Novi Sad mit 16 Todesopfern
Politisch steht Serbien damit vor einer wichtigen Richtungsentscheidung. Vučić gibt sich seit Jahren als Reformer und treibt den EU-Beitritt seines Landes voran. Gleichzeitig hält Serbien trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine an guten Beziehungen zu Russland fest. Die große Kundgebung in Belgrad zeigt nun, wie aufgeladen die Stimmung vor der Wahl ist.
Quelle: Tagesschau