Horror erobert jetzt Serien
Gruselserien wie „Below“, „Carrie“ und „Crystal Lake“ führen im Oktober die Charts großer Streamingdienste an. Der Boom zeigt: Horror funktioniert längst nicht mehr nur im Kino, sondern auch als Serienformat mit Gesellschaftskritik.

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Horror ist längst mehr als ein Kinophänomen — jetzt greift das Genre auch im großen Stil auf Streaming-Serien über. Im Oktober standen „Below“ bei Netflix, „Carrie“ bei Amazon Prime und „Crystal Lake“ bei HBO Max jeweils wochenlang ganz oben in den Plattform-Charts. Millionen Menschen haben die Formate gesehen.
Vom Kino-Hit zur Serienwelle
Dass Horrorfilme boomen, ist nicht neu. In diesem Jahr lockten Produktionen wie „Backrooms“ oder „Obsession“ viele Zuschauer ins Kino. Gleichzeitig zeigte sich zuletzt auch der künstlerische Anspruch des Genres, etwa mit Titeln wie „Blood & Sinners“, „Weapons“ oder „The Substance“. Neu ist nun vor allem, dass sich diese Dynamik deutlich auf das Seriensegment ausweitet.
Ein Grund für den Erfolg könnte laut Experten darin liegen, dass Horror als eine Art emotionales Training funktioniert. Kulturwissenschaftler Mark Schmitt von der Technischen Universität Dortmund beschreibt das als eine Form von Katharsis: Das Publikum erlebt Angst in einem sicheren, fiktiven Rahmen. Serien dehnen dieses Prinzip nun nicht nur auf 90 Minuten, sondern auf viele Stunden aus.
Grusel mit Botschaft
Besonders deutlich wird das bei „Carrie“, einer neuen Adaption des Stephen-King-Stoffs. Serienschöpfer Mike Flanagan verlegt die Geschichte in die Gegenwart: Die Hauptfigur wächst in einem christlich-fundamentalistischen Umfeld auf und wird nach dem Tod ihres Vaters erstmals mit dem Alltag einer staatlichen Schule konfrontiert. Dort wird sie gezielt online vorgeführt — mit Fakeprofil, peinlichen Videos und Tausenden Followern. Die Serie erzählt also nicht nur von übernatürlichen Kräften, sondern auch von den Härten sozialer Medien und Problemen im Bildungssystem.
- „Carrie“: Horror über Mobbing, Social Media und Schulchaos
- „Below“: Miniserie über ein See-Ungeheuer an der Küste von Neufundland
- „Crystal Lake“: blutige Rachegeschichte im Feriencamp
Auch „Below“ setzt auf mehr als Monster-Schocks. Die Netflix-Serie um ein Fischerdorf, das von einem Seeungeheuer terrorisiert wird, wird in der Vorlage ausdrücklich als Öko-Thriller beschrieben. Damit zeigt sich: Der neue Horror-Boom im Streaming lebt nicht nur von Gewalt und Gänsehaut, sondern auch von Geschichten, die gesellschaftliche Ängste und Konflikte verarbeiten.
Quelle: Tagesschau