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Politik27. Oktober 2026, 19:01 Uhr · von Redaktion

Ägypten sperrt letzte freie News-Seite

In Ägypten muss die unabhängige Nachrichtenseite Mada Masr schließen. Ein Gericht verhängte zudem gegen Chefredakteurin Lina Attalah eine Geldstrafe von rund 48.000 Euro und ordnete die Beschlagnahmung des Besitzes an.

Ägypten sperrt letzte freie News-Seite

Foto: Ricardo Liberato / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Schwerer Schlag für die Pressefreiheit in Ägypten: Ein Gericht hat die Schließung von Mada Masr angeordnet, der letzten größeren unabhängigen Nachrichtenseite des Landes, die nicht unter staatlicher Kontrolle steht. Zusätzlich wurde Chefredakteurin Lina Attalah verurteilt, weil sie laut Gericht eine nicht registrierte Website betrieben habe. Gegen sie wurde die höchstmögliche Geldstrafe von umgerechnet rund 48.000 Euro verhängt.

Neben der Schließung ordnete das Gericht auch an, den Besitz der Redaktion zu beschlagnahmen. Nach Angaben der Plattform wurde Attalah nach dem Urteil direkt am Gericht von Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen. Internationale Kritik ließ nicht lange auf sich warten: Reporter ohne Grenzen sprach von einer „ungeheuerlichen Entscheidung“, die sofort zurückgenommen werden müsse. Auch aus Kreisen von Menschenrechtsanwälten kam scharfer Protest.

Druck auf unabhängige Medien wächst

Unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi ist der Spielraum für freie Berichterstattung in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden. Neue Gesetze haben die Arbeit unabhängiger Medien massiv erschwert. In der Rangliste von Reporter ohne Grenzen liegt Ägypten derzeit auf Platz 169 von 180. Nach Einschätzung der Organisation stehen praktisch alle Medien im Land unter Kontrolle des Staates, der Sicherheitsbehörden oder regierungsnaher Unternehmer.

  • 2013: Gründung von Mada Masr
  • 2017: Blockade der Website wie bei Hunderten anderen Seiten
  • 2026: Gericht ordnet Schließung und Beschlagnahmung an

Lizenzanträge blieben ohne Erfolg

Die Redaktion von Mada Masr hatte nach eigenen Angaben mehrfach versucht, eine notwendige Lizenz beim zuständigen Medienrat zu erhalten – ohne Erfolg. Schon seit 2017 war die arabisch-englische Online-Zeitung in Ägypten blockiert, erreichte aber weiterhin ein großes Publikum im Ausland. Attalah und weitere Journalisten der Seite waren in den vergangenen Jahren wiederholt festgenommen und befragt worden. Ihnen wurde vorgeworfen, Falschnachrichten zu verbreiten und die nationale Sicherheit zu gefährden.

Außerhalb Ägyptens wurde Attalah mehrfach ausgezeichnet. Das Time Magazine zählte sie 2020 zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Umso größer ist nun die Sorge, dass mit dem Aus für Mada Masr eine der wichtigsten unabhängigen Stimmen des Landes verstummt.

Quelle: Tagesschau