Paris wirkt, reicht aber nicht
Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen steuert die Welt laut aktueller Politik weiter auf rund 2,8 Grad Erwärmung zu. Experten sehen zwar Fortschritte, warnen aber: Für das 1,5-Grad-Ziel reicht das klar nicht.

Foto: Yann Caradec from Paris, France / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0
Das 1,5-Grad-Ziel rückt immer weiter außer Reichweite: Mit der heutigen Klimapolitik läuft die Erde laut dem SRF-Bericht auf eine Erwärmung von 2,8 Grad zu. Für das Klima wäre das hochriskant, weil dadurch unter anderem das Eis an Nord- und Südpol weiter schmelzen und das gesamte Klimasystem gefährlich aus dem Gleichgewicht geraten könnte.
Ganz ohne Wirkung ist das Pariser Abkommen aber nicht geblieben. Der Schweizer Delegationsleiter an der Klimakonferenz, Felix Wertli, verweist darauf, dass die Welt vor gut zehn Jahren noch eher auf vier Grad Erwärmung zusteuerte. Aus seiner Sicht hat das Abkommen also messbar etwas verändert. Ein zentraler Punkt: Seit Paris haben sich auch ärmere Staaten zum Klimaschutz bekannt, parallel dazu seien die Investitionen in erneuerbare Energien massiv gestiegen.
Mehr Geld, mehr Zusagen
Auch beim WWF Schweiz wird das Abkommen als wichtiger Wendepunkt gesehen. Klimaexperte Patrick Hofstetter betont, dass vor allem die Einbindung ärmerer Länder entscheidend gewesen sei. Denn gerade diese Staaten sowie Länder wie China, Indien oder Saudi-Arabien verursachen heute mehr als die Hälfte der globalen Treibhausgasemissionen.
- Weltweite Investitionen in erneuerbare Energien: über 2000 Milliarden Dollar pro Jahr
- Unternehmen mit eigenen Klimazielen über die Science Based Targets Initiative: 14'000
Neben der Politik hebt Hofstetter auch private Initiativen hervor. Große Unternehmen hätten sich in wachsender Zahl selbst CO₂-Ziele gesetzt. Das zeigt: Beim Klimaschutz bewegt sich etwas – aber eben noch nicht schnell genug.
Experten fordern härtere Politik
Der ETH-Klimawissenschaftler Anthony Patt beschreibt die Lage als halb gut, halb schlecht. Positiv seien der Solarboom, besonders in China, sowie der Aufschwung bei Elektroautos, sogar in Ostafrika. Trotzdem fehle der große Richtungswechsel. Patt fordert vor allem einen schnellen Ausstieg aus Öl und Gas und mehr politische Vorgaben, damit die Wirtschaft verlässlich investieren kann.
Gerade in der Schweiz sieht er noch deutliche Lücken: Noch immer würden neue Benzinautos gekauft und Ölheizungen eingebaut, statt stärker auf Elektroautos und Wärmepumpen zu setzen. Deshalb blicken viele Fachleute mit gemischten Gefühlen auf die nächste Klimakonferenz, die am 9. November in Antalya beginnen soll. Die Hoffnung: neue Impulse – denn Fortschritt allein reicht bislang nicht.
Quelle: SRF