Kinderwunsch trifft Krisenangst
In Deutschland wollen viele junge Erwachsene Kinder, bekommen aber weniger als geplant. Neue Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen: Geburtenrate und Kinderwunsch sinken, Sorgen um Wohnung, Job und Zukunft bremsen.

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Viele Menschen in Deutschland wünschen sich eine Familie mit Kindern – doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine deutliche Lücke. Neue Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigen: Während das Ideal für viele weiterhin bei rund zwei Kindern liegt, fällt die tatsächliche Geburtenrate seit Jahren. Sie sank seit 2021 von 1,58 auf zuletzt 1,32 Kinder pro Frau.
Grundlage der Auswertung ist das Familiendemografische Panel FReDA, für das zweimal pro Jahr rund 30.000 Menschen befragt werden. Lange blieb der Kinderwunsch relativ stabil, doch nun zeigt sich erstmals auch dort ein Rückgang. Laut den neuesten Zahlen für 2025 wünschen sich Frauen im Schnitt 1,7 Kinder, Männer 1,6. Gleichzeitig sagen rund 90 Prozent der Befragten, dass sie grundsätzlich Kinder wollen.
Wunschfamilie ja – aber bitte unter besseren Bedingungen
Fachleute sprechen von einem „Fertility Gap“, wenn der gewünschte Nachwuchs deutlich über der Zahl der tatsächlich geborenen Kinder liegt. Genau dieser Abstand ist laut BiB derzeit besonders groß. In einer idealen Welt ohne Hindernisse würden sich die meisten Befragten im Schnitt sogar 2,2 Kinder vorstellen.
Als Bremsklötze für die Familienplanung nennen die Daten vor allem alltägliche Belastungen. Besonders schlecht schneidet der Wohnungsmarkt ab: Nur 22 bis 29 Prozent sind mit dem Angebot zufrieden. Wer mit Wohnung, Arbeit und Verdienstmöglichkeiten zufrieden ist, plant eher in den kommenden drei Jahren ein Kind.
- Geburtenrate sinkt seit 2021
- Kinderwunsch 2025 erstmals ebenfalls rückläufig
- Wohnungsmarkt ist der größte Alltagsfaktor
- Zukunftsängste drücken zusätzlich auf die Planung
Krieg und Demokratie-Sorgen wiegen schwer
Neben Job und Wohnung spielt auch die allgemeine Lage eine große Rolle. 85 Prozent der Befragten sorgen sich um Krieg – das ist der stärkste Belastungsfaktor in der Studie. Dahinter folgt die Angst, dass die Demokratie in Deutschland Schaden nehmen könnte; hier gab es den deutlichsten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Klimawandel bleibt für junge Erwachsene ein wichtiges Thema. Die Auswertung zeigt: Wer große Sorgen um Demokratie oder Klima hat, äußert meist einen geringeren Kinderwunsch. Sorgen vor Krieg bremsen laut Studie vor allem Männer.
Quelle: Tagesschau