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Musik & Film23. Oktober 2026, 13:01 Uhr · von Redaktion

Heimat ohne Landkarte

Die Doku „Anders Anders“ von Hao Hohl fragt im Kino, wie Heimat entsteht. Mit Stimmen wie Pedro Lenz und Charles Uzor erzählt der Film von Zugehörigkeit zwischen Sprache, Erinnerung und Fremdsein in der Schweiz.

Mit „Anders Anders“ bringt Regisseurin Hao Hohl eine Dokumentation ins Kino, die Heimat nicht als Ort auf der Landkarte begreift, sondern als etwas viel Schwerer zu Fassendes. Auslöser war ein Gedanke des Schriftstellers Pedro Lenz: Er könne sich überall auf der Welt sein eigenes „Langenthal“ erschaffen. Für Hohl wurde genau das zum Anfang einer sehr persönlichen Suche, denn sie sagt über sich selbst, dass sie noch nicht wisse, wo ihr eigenes „Langenthal“ liegt.

Von der Sprache zur großen Frage

Eigentlich wollte Hohl zunächst einen Film über Schweizerdeutsch drehen. Sie lebt seit 20 Jahren in der Schweiz, spricht fliessend Hochdeutsch, aber keinen Dialekt. Während der Recherche verschob sich der Fokus jedoch: Aus dem Interesse an Sprache wurde eine Auseinandersetzung mit Zugehörigkeit, Identität und der Frage, was einen Ort überhaupt zur Heimat macht. Der Film knüpft damit an Hohls früheres Werk „Plötzlich Heimweh“ von 2019 an.

Im Zentrum stehen Menschen, die sich zwischen Kulturen, Sprachen und Lebenswelten bewegen. Dazu gehört Pedro Lenz, der im Film mit feinem Humor über Kindheit, Dialekte, seine spanische Mutter und seine enge Bindung an Langenthal spricht. Seine Perspektive steht neben anderen Lebensgeschichten, die zeigen, wie unterschiedlich Verwurzelung erlebt werden kann.

Wenn Heimat Erinnerung und Gefühl wird

Besonders eindrücklich ist die Begegnung mit dem Komponisten Charles Uzor. Er erlebte als Kind den Biafrakrieg in Nigeria und kam mit sieben Jahren allein in die Schweiz. Im St. Galler Dialekt beschreibt er, dass ein Teil von ihm noch immer das Kind sei, das Afrika verlassen musste. Wenn er heute dorthin zurückkehrt, findet er diesen Ort nicht mehr so vor wie in seiner Erinnerung. Trost und Zugehörigkeit hat er stattdessen in der Musik gefunden.

  • Film: „Anders Anders“
  • Regie: Hao Hohl
  • Mit: Pedro Lenz, Charles Uzor
  • Thema: Heimat, Sprache, Identität und Fremdheit in der Schweiz

„Anders Anders“ liefert keine einfachen Antworten. Stattdessen setzt der Film aus verschiedenen Biografien ein vielschichtiges Bild der Schweiz zusammen. Auch Menschen, deren Familien seit Generationen im Land leben, erleben darin Fremdheit. Gerade das macht die Doku spannend: Heimat erscheint nicht als fester Besitz, sondern als Gefühl, das sich verändert, neu bildet und manchmal erst gesucht werden muss.

Quelle: SRF