Dylan bleibt Dylan pur
Bob Dylan hat im Hallenstadion Zürich mit einem sperrigen, handyfreien Auftritt polarisiert. Viele große Hits fehlten, doch einzelne Momente zeigten, warum der 85-Jährige noch immer eine Halle füllt.

Bob Dylan ist 85 und spielte im Hallenstadion Zürich einen Abend, der genau das lieferte, was man von ihm inzwischen fast erwarten muss: Widerstand statt Wohlfühlprogramm. Große Publikumsfavoriten wie „Like a Rolling Stone“, „Blowin’ in the Wind“ oder „All Along the Watchtower“ tauchten gar nicht erst auf. Andere Songs wurden so stark umgebaut, dass sie nur noch als Schatten ihrer selbst zu erkennen waren.
Zwischen Abschottung und starken Momenten
Die Bühne blieb karg: fünf Musiker vor schwarzem Vorhang, dazu ein paar Glühbirnen. Dylan kam mit Kapuze ans Klavier, sprach praktisch nicht mit dem Publikum und wirkte, als spiele er eher für sich selbst als für eine volle Arena. Genau diese totale Verweigerung von Nähe prägt den Abend. Bei „Million Miles“ schien diese Distanz sogar programmatisch mitzuschwingen.
Musikalisch trug vor allem die Band den Auftritt. Gitarrist Mike Seal setzte Akzente, während Langzeit-Bassist Tony Garnier laut Konzertcheck nicht immer ganz sicher wirkte, wohin Dylan den Sound ziehen wollte. Gerade dieses leicht Schlingernde scheint aber Teil des Konzepts zu sein: unfertig, spröde, absichtlich nicht glatt. Einer der stärksten Momente gelang mit „Black Rider“, als Band und Sänger plötzlich zusammenfanden und für kurze Zeit echte Magie entstand.
Handys weg, Gespräch an
Auch das Handyverbot fiel auf. Beim Einlass wurden Smartphones in verschlossene Beutel gepackt, wie schon bei Dylans Auftritt 2023 in Montreux. Im Hallenstadion waren dafür laut Bericht 80 bis 100 Leute im Einsatz. Das sorgte offenbar für weniger Unruhe und mehr Gespräche im Publikum, machte das Konzerterlebnis selbst aber nicht automatisch intensiver.
- Kaum große Hits im Set
- Komplett handyfreier Konzertabend
- Starke Momente mit „Black Rider“ und „Goodbye Jimmy Reed“
Am deutlichsten wachte die Halle erst spät auf: beim zweitletzten Song „Goodbye Jimmy Reed“, einem druckvollen R&B-Stück. Da kam endlich Bewegung in den Abend. Insgesamt blieb der Auftritt ein typischer Dylan: verschlossen, eigenwillig und nie darauf aus, Erwartungen zu bedienen. Für Fans ist genau das der Reiz – auch wenn er diesmal oft eher Idee als Erlebnis blieb.
Quelle: SRF